Sporttechnologie
Testspur Ramsau: Eine Ära geht zu Ende
Was 2013 mit einer außergewöhnlichen Idee und einer Weltneuheit begann, geht nun nach 13 Jahren zu Ende.
Die Wurzeln dieser Idee reichen dabei weit zurück: Bereits 1974 beschäftigte sich mein Vater Eberhard im Rahmen seiner Diplomarbeit mit der Optimierung der Anlaufgeschwindigkeit und führte dafür rund 900 Versuche auf einer eigens errichteten Teststrecke in Oberwiesenthal durch – fast vier Jahrzehnte bevor sein Sohn diese Überlegungen in Ramsau aufgriff und technisch weiterentwickelte.
100 Meter Anlauf, Geschwindigkeiten von bis zu 90 km/h und modernste Messtechnik machten die Anlage zu einem einzigartigen Testlabor für den nordischen Spitzensport. Was zunächst vor allem der Vorbereitung auf die Olympischen Winterspiele 2014 in Sochi dienen sollte, entwickelte sich zu einer langfristigen Erfolgsgeschichte.
Unter Mario Stecher wurde die Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Skiverband erfolgreich fortgeführt. Über die Jahre nutzten zahlreiche Skispringer und Nordische Kombinierer die Anlage, um gezielt an ihrer Anfahrtshocke zu arbeiten und unterschiedliche Materialien, Skibeläge und Wachse zu testen. Gleichzeitig lieferte die Testspur wertvolle Daten und Erkenntnisse, die unmittelbar in die Weiterentwicklung der Riedel-Anlaufspursysteme einflossen. Die Ergebnisse dieser langjährigen Entwicklungsarbeit bleiben in Ramsau sichtbar. Mit der neuen Anlaufspur auf der Schanze kommt nun jene Technologie zum Einsatz, die über viele Jahre auch auf der benachbarten Testanlage erprobt und weiterentwickelt wurde. Aus Forschung und Entwicklung ist gelebte Praxis geworden.
Für uns bedeutet der Abbau deshalb nicht nur das Ende eines besonderen Projekts, sondern auch den erfolgreichen Abschluss einer langjährigen Entwicklungsarbeit. Die Testspur hat ihren Auftrag erfüllt und einen wichtigen Beitrag zur technischen Weiterentwicklung des nordischen Sports geleistet. Ramsau bleibt mit der neuen Anlaufspur auch künftig ein wichtiger Standort im internationalen Portfolio des Unternehmens.
Und für die Testspur selbst beginnt ein zweites Leben. Die abgebaute Anlage wird generalüberholt und anschließend für einen neuen Einsatz vorbereitet. Bereits zum vierten Mal ermöglicht Peter Riedel Sports Technology damit einer bestehenden Anlaufspur eine zweite Verwendung. Bewährte Technik weiterzuverwenden, ist dabei nicht nur eine Frage der Wirtschaftlichkeit, sondern auch Ausdruck eines verantwortungsvollen Umgangs mit Material und Ressourcen.
Was bleibt, sind die Erinnerungen an ein außergewöhnliches Projekt, unzählige Testfahrten und vor allem eine erfolgreiche Partnerschaft. Ein besonderer Dank gilt deshalb allen, die diese Entwicklung seit 2013 begleitet und mitgetragen haben – insbesondere den Verantwortlichen und Mitarbeitern des Österreichischen Skiverbandes.
Die Ära der Testspur in Ramsau ist zu Ende. Ihre Spuren bleiben – in der Technologie, in den gewonnenen Erkenntnissen und auf den Skisprungschanzen dieser Welt.