Es fällt mir unendlich schwer, Abschied von meinem Vater, Eberhard Riedel, zu nehmen. Er ist gestern am Ostersonntag nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 88 Jahren friedlich eingeschlafen.
Viele kannten meinen Vater als erfolgreichen Skirennläufer der ehemaligen DDR, als Athleten, der sein Land auf internationalen Pisten vertreten hat. Für mich war er der Mensch, der mir gezeigt hat, wie man mit Haltung, Disziplin und Leidenschaft durchs Leben geht.
Was ihn auszeichnete, war nicht nur sein Können auf Skiern, sondern seine Haltung zum Sport. Er war kein lauter Mensch, keiner, der sich in den Vordergrund drängte. Er arbeitete, trainierte und kämpfte, still, konsequent und mit einem tiefen Respekt vor seinem Sport und seinen Mitstreitern.
Wenn man ihn auf seine Erfolge ansprach, hat er selten über Platzierungen oder Ranglisten gesprochen. Stattdessen erzählte er von den Dingen, die nicht für jedermann sichtbar waren. Über die Bedingungen, unter denen sie trainierten, von eisigen Morgenstunden in den Bergen, von der Präzision, die dieser Sport verlangt. Er sprach von Teamgeist, von Kameradschaft, aber auch vom Druck, ein ganzes Land zu repräsentieren, und das zur damaligen, politisch höchst brisanten Zeit.
Nach seiner aktiven Karriere blieb der Sport ein zentraler Teil seines Lebens. Er engagierte sich weiterhin für den Nachwuchs, gab seine Erfahrungen weiter und blieb dem Skisport eng verbunden. Ihm war wichtig, dass junge Menschen nicht nur Technik lernen, sondern auch Werte: Fairness, Ausdauer und die Fähigkeit, mit Niederlagen umzugehen.
Für mich war er weit mehr als der Sportler. Ich habe ihn als Vater erlebt, als jemanden, der trotz aller Disziplin eine große Wärme in sich trug. Er konnte streng sein, ja, aber immer gerecht. Er war ein absoluter Familienmensch, und wenn ich ihn gebraucht habe, war er da. Wenn ich gezweifelt habe, war er derjenige, der mich aufmunterte, weiterzumachen. Wenn ich gefallen bin, hat er mir nicht nur aufgeholfen, sondern mir beigebracht, wie ich in Zukunft selbst wieder aufstehe.
Es sind die kleinen Momente, die besonders schön sind in meiner Erinnerung. Die aber nun auch umso mehr schmerzen: sein Blick, seine ruhigen Worte, sein leises Lächeln, wenn er stolz war, ohne es laut zu sagen.
Ich habe mich im Krankenhaus noch von ihm verabschieden können. Wie sehr ich ihn bewundert habe. Wie viel ich von dem, was ich heute bin, ihm verdanke. Wie oft ich in schwierigen Momenten an seine Stärke gedacht habe und daran, dass Aufgeben nie eine Option war.
Aber ich weiß, dass er in mir weiterlebt. In allem, was er mir beigebracht hat. In der Art, wie ich denke, wie ich handle, wie ich mit Rückschlägen umgehe. Und vielleicht auch in dem Mut, den ich jetzt brauche, um ihn gehen zu lassen.
Papa, ich vermisse dich mehr, als Worte es ausdrücken können. Und gleichzeitig bin ich unendlich dankbar, dein Sohn zu sein. Danke für alles. Für jede Minute. Für jeden Rat. Für dein Vertrauen. Mach’s gut, Papa.
Dein Sohn Peter